AufrufÖkumenischer
Prozess »Wirtschaft im Dienst des Lebens«
Herausgefordert durch die Kirchen
im Süden angesichts des Leidens der Menschen und der Zerstörung der Schöpfung
haben der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), der Reformierte und der
Lutherische Weltbund (RWB und LWB) ihre Mitgliedskirchen zu einem
„verbindlichen Prozess des Erkennens, Lernens und Bekennens (processus confessionis) im Kontext
wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und Naturzerstörung“ aufgerufen. Die im Rahmen
dieses Prozesses in Westeuropa durchgeführte Konsultation (15.-19.06.02 in
Soesterberg/Holland) zum Thema »Wirtschaft im Dienst des Lebens« richtete einen
Brief an die Mitgliedskirchen, worin es u.a. heißt:
·
„Das Evangelium verspricht Leben in Fülle für alle Menschen
und die ganze Schöpfung (Joh. 10:10)... Geleitet von dieser Vision, erstreben
wir eine Wirtschaft im Dienst des Lebens. Märkte und Geld sollten den
Austausch von Gütern ermöglichen, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen und
zum Aufbau der menschlichen Gemeinschaft beizutragen.
·
Heute jedoch sehen wir, wie zunehmend wirkliches Leben von
privaten finanziellen und Geschäftsinteressen beherrscht wird. Die ökonomische
Globalisierung ist von einer Logik geleitet, die der Anhäufung von Kapital,
uneingeschränktem Wettbewerb und der Sicherstellung von Gewinn in enger werdenden
Märkten Priorität gibt. Politische und militärische Macht werden als
Instrumente benutzt, um ungefährdeten Zugang zu Ressourcen und zum Schutz von
Investitionen und Handel sicherzustellen.
·
Kirchen, die an dem ökumenischen Prozess teilgenommen haben,
bekräftigten, dass die Ideologie des Neoliberalismus unvereinbar ist mit der
Vision der oikoumene (oikoumene),
der Einheit der Kirche und der ganzen bewohnten Erde. Weitreichende und
wachsende Ungerechtigkeit, Ausschluss und Zerstörung sind der Gegensatz zum
Teilen und zur Solidarität, die unabdingbar dazugehören, wenn wir Leib Christi
sein wollen. Was hier auf dem Spiel steht, ist ... die Glaubwürdigkeit des
Bekenntnisses der Kirchen und ihrer Verkündigung Gottes, der mit den Armen und
für die Armen da ist.
·
Um der Integrität ihrer Gemeinschaft und ihres
Zeugnisses willen sind Kirchen aufgerufen, gegen die neoliberale
Wirtschaftslehre und -praxis aufzutreten und Gott zu folgen.“ (epd-Dokum. 43a,
S.9). Die Generalsekretäre von
ÖRK, RWB, LWB und KEK (Konferenz Europäischer Kirchen) rufen in ihrem
Begleitschreiben zu diesem Brief unsere Kirchen auf, „auf die Herausforderungen
der ökonomischen Globalisierung in verbindlicher Weise zu antworten – sowohl
durch breite Diskussionsprozesse als auch durch Entscheidungen in den
zuständigen Gremien“ (epd-Dokum. 43a,
S. 7). Auch katholische Partner wie
Pax Christi, verschiedene Ordensgemeinschaften und die katholische
Bischofskonferenz in den Niederlanden beteiligen sich bereits an diesem
ökumenischen Prozess. In
Deutschland können wir an das Gemeinsame
Wort der Kirchen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage, die Erlassjahrkampagne und die Dekade zur Überwindung von Gewalt
anknüpfen. Der Ökumenische Kirchentag
in Berlin 2003 brachte den Prozess »Wirtschaft für das Leben« in verschiedenen
Veranstaltungen zur Sprache. Es gilt jetzt, die Beteiligung auf allen Ebenen
weiter zu stärken. Wie in allen Kontinenten geht es dabei auch in Westeuropa
vor allem um drei Fragen:
1.
Wie
verhalten wir uns als Kirchen und Gemeinden zu Geist, Logik und Praxis der
neoliberalen Globalisierung mit deren ausschließenden, kriegerischen und Natur
zerstörenden Folgen?
2.
Wie glaubwürdig sind wir als Kirchen in unserem eigenen Wirtschaften
(Geldanlagen usw.)?
3.
Wie können
die Kirchen die biblische Option für die Armen - zusammen mit diesen und mit
anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Attac - eindeutig in die Politik
einbringen? In den
Vollversammlungen der Weltbünde (2003/2004) und des ÖRK (2006) sollen die Ergebnisse
der Beratungs- und Entscheidungsprozesse in allen Kontinenten zusammengetragen
werden, um mit gemeinsamer Stimme und Aktion für eine "Wirtschaft im
Dienst des Lebens" einzutreten. Wir rufen Christinnen und
Christen, Gemeinden, ökumenische Gruppen und Netze, kirchliche Verbände und
Organisationen auf, sich je an ihrem Ort dafür einzusetzen, dass die
kirchlichen Entscheidungsgremien von der lokalen bis zur bundesdeutschen Ebene
die Briefe an die Kirchen in Westeuropa und damit die Herausforderungen der
neoliberalen Globalisierung auf breiter Ebene zur Diskussion stellen und
verbindlich in Wort und Tat beantworten. „Wenn ein Glied leidet,
leiden alle Glieder mit“ (1 Kor. 12,26) Unterzeichnende Organisationen und Kontaktpersonen: Amt
für Jugendarbeit Nürnberg / Evang.-Luth. Kirche Bayern, ReferentInnenkonferenz
/ Hans Schlicht l anamed Aktion für natürliche
Medizin / Dr. H.-M. Hirt l Bündnis 2008 Bayreuth / Dr.
Martin Hoffmann l CGW Christen für gerechte
Wirtschaftsordnung e.V. / Prof. Dr. Roland Geitmann l Evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Bielefeld l Ev. Heimvolkshochschule Rastede / Dörte Kramer l
Hendrik-Kraemer-Haus Berlin / Sabine Albrecht l
Initiative Ordensleute für den Frieden /IOF- Markus Fuhrmann OFM - Gregor
Böckermann l Kairos Europa / Prof. Dr.
Ulrich Duchrow, Martin Gück, Christoph Rinneberg l
KASA - Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika / Dr. Theo Kneifel l Kirchlicher
Dienst in der Arbeitswelt (kda) in der EKD / Bundesvorstand l Mainzer Arbeitskreis Südl. Afrika MAKSA / Dr. Markus
Braun l Missionszentrale der
Franziskaner / Richard Nestvogel l
Ökumenisches Netz in Baden / Jutta Wenz l
Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar / Sabine Ferenschild l
Oikocredit Westdeutscher Förderkreis / Ulrike Chini l
PAX CHRISTI – Deutsche Sektion / Dr. Reinhard Voß l Pax Christi Gruppe
Karlsdorf-Neuthard / Ottmar Rapp l
Pax Christi Gruppe Worms / Christian Trieb l
Politisches Samstagsgebet München / Inge Ammon l
PRO OEKUMENE-Initiative in Württemberg / Werner Gebert l Solidarische Kirche in Westfalen, Regionalgruppe
Bielefeld / Erika Stückrath l Solidarische Kirche im Rheinland
/ Erika Franze-Haugg l Südwind e.V. / Ulrich Suppus Unterzeichnende
Einzelpersonen: Norbert Arntz, Münster l Carl Amery, München l
Eberhard Baisch, Stuttgart l Adolf Bernhard,
Wehr l Dr. Tembe Bingham, Recklinghausen l Michael Bock,
Ansbach l Ilse und Dr. Markus Braun, Tübingen l
Dr. Gerhard Breidenstein,
Murrhardt l Theo Christiansen, Mitarbeiter Kirchenkreis Stormarn,
Nordelbien l Sonja Dietel, Ansbach l Andreas Echternkamp,
Kaiserslautern l Hannelore Erler, Crailsheim l Dr. Hans-Jürgen Fischbeck, Kommunität Grimnitz l Gundula und Wolf-Dieter Foerster, Radolfzell l Prof. Dr. Roland Geitmann, Kehl l Dr. Wolfgang
Gern, Diakonisches Werk
Hessen-Nassau l
Bernd H. Göhrig, Initiative
Kirche von unten l Dr. Ruth Gütter, Beauftragte für kirchlichen Entwicklungsdienst der
Ev. Kirche in Kurhessen-Waldeck l Ilse Härter, Goch l Karl-Dieter Hahn, Nürnberg l Frauke Heiermann,
Oberhausen l Martin Herndlhofer, Pax Christi, Bad Vilbel l Gerd
Henschen, Hirschberg l Niels Hueck, Fichtenberg l
Martin Huhn, Industriepfarrer
Nordbaden l Dr. Willibald Jacob, Berlin l Helmut Jaskolski,
Pax Christi Erftstadt l Helmut Käberich, Bad Hersfeld
l
Reinhard Kenner,
Schwäbischgmünd l
Claudia Knepper, Leipzig l Brigitte Köhler,
Ober-Ramstetten l Dietrich Koller, Erfurt l
Anja Kramer, Oldenburg l Frank Kürschner-Pelkmann,
Redaktion Junge Kirche, Hamburg l Hartwig Liebich, Propst im Kirchenkreis
Stormarn, Nordelbien l Dr. Gerhard Liedke, Heidelberg l Heiko Lietz,
Theologe, Koordinationskreis der Ökumenischen Basisgruppen, Berlin l
Birgit und Keith Lindsey,
Winnenden l Dr.
Fred Mahlburg, Leiter der Evang.
Akademie, Rostock l Ingrid Manthey,
Viernheim l
Friedhelm Meyer, Pfarrer i.R., Düsseldorf l OKR Dr.
Ulrich Möller, Reformierter Bund,
Detmold l Christine Müller,
Arbeitsstelle Eine Welt in der Ev. Luth. Landeskirche Sachsens, Leipzig l Carl Ordnung, SODI Berlin
l
Helmut
Pfaff, Kassel
l Dr.
Thomas Posern, Wiesbaden l Hansjürgen Rietzke, Pfarrer i.R., Hucksdorf
l Dr. Lore Rittmayer, Konstanz l Dr. Walter Romberg, Berlin l Prof. Mehdi Roschanzamir, Swisttal
l Lola Schinnerling. Swisttal l Michael Schmid. Lebenshaus Alb Gammertingen l Hermann Schmidt, Oldenburg l Ulrike Schmidt-Hesse,
Pfarrerin und Studienleiterin l
Gisela und Gerhard Schmitthenn,
Kandern
l Werner Schmitthenner,
Simonswald l Dr. Franz Segbers, Priv. Doz., Daaden
l Günther Sick, Mülheim
l
Prof. Dr.
Dorothee Sölle
U, Hamburg
l
Günter Söllner, Nürnberg
l Prof. Dr. Fulbert Steffensky, Hamburg
l Kurt Steinhäuser, Aschaffenburg
l Ines Stephanowsky, Beauftragte für Ausländer- und
Aussiedlerseelsorge Thüringen l Werner Steppuhn, Königswinter lWieland Walther,
Kirchzarten l Helmut Warntjen,
Wilhelmshaven l Karl-Heinz Welter,
Göppingen
lBernd und Annemarie Winkelmann, Kirchohmfeld
l Dietrich Zeilinger, Pfarrer, Landesbeauftragter
für Mission, Ökumene, Konziliaren Prozeß, Karlsruhe Stand:
28.10.2003 Dokumentation: Die epd-Dokumentation Nr. 43a/14.10.02 mit Brief und Begleitbrief der Soesterberg-Konsultation sowie weitere Materialien für Gemeinden und Gruppen sind erhältlich bei KAIROS EUROPA
e.V. –
Hegenichstraße 22 – D - 69124 Heidelberg Tel: + 49 (0) 62 21 – 71 26 10, Fax: +49
(0) 62 21 - 71 60 06 Materialien können Sie online über
http://www.kairoseuropa.de/shop/index.html
bestellen oder teilweise auch kostenlos downloaden unter
http://www.kairoseuropa.de/shop/bildung/index.html.
Der Brief der Soesterberg-Konsultation an die
Mitgliedskirchen ist auch zu finden unter
http://oikoumene.net/home/global/processusconfessionis99/processus.soesterberg02/ oder
http://www.emk-gfs.de/files/03BriefanWesteur.doc epd-Dok. 43a ist auch im Internet als Download mit Bezahlung über Firstgate erhältlich unter http://www.epd.de/dokumentation/dokumentation_index_10272.htm |